Künstler der Konstruktion 2
Pier Luigi Nervi-Ausstellung in Rom
Das Palazetto dello Sport in Rom machte ihn 1960 weltbekannt. Nur einen Steinwurf davon entfernt wird jetzt sein Werk des Ingenieurarchitekten in einer Werkschau gefeiert. Pier Luigi Nervi (1891-1979) ist einer der wichtigsten Protagonisten der Italienischen Architektur und Ingenieurbaukunst des vergangenen Jahrhunderts.Nach Stationen in Venedig und Brüssel widmet sich noch bis zum 20. März eine Ausstellung im jüngst von Zaha Hahid in Rom gebauten Museo Nazionale delle Arti del XXI secolo (MAXXI) dem großen Ingenieur aus der Lombardei. Großformatige Bildtafeln führen in das Universum Nervi ein und zeugen von seinem außergewöhnlichen Umgang mit Beton. Vor allem die architektonischen Details und ihre ästhetische Umsetzung werden in der Ausstellung beleuchtet. Neben Fotografien und Filmmaterial fokussiert sich die Ausstellung mit Originalplänen, Projektskizzen und Modellen hauptsächlich auf zwei Bauwerke Nervis: das Stadion Communale in Florenz aus den Dreißiger Jahren sowie den Ausstellungspavillon in Turin aus den Fünfziger Jahren. Jüngst entdecktes und bislang unveröffentlichtes Archivmaterial eröffnet neue Interpretationsspielräume. Die großartig gewendelten Treppen, die wie angelehnt von den Tribünen des Stadions herausragen, oder die imposante gewölbte Dachkonstruktion des Ausstellungspavillons zeugen von Nervis „statischer Intuition". Ein aufschlussreicher Dokumentarfilm aus den Sechziger Jahren zeigt Pier Luigi Nervi auf dem Höhepunkt seiner Karriere: einerseits voller Bewunderung für die Konstruktionstechnik gotischer Baumeister und anderseits voller Experimentierfreude, das sogenannte „System Nervis", das sich besonders bei der Entwicklung des neuen Baustoffes Ferrozement zeigt. Die nach Einfachheit und Schönheit strebende entwerferische Logik, die sich in allen Bauten Nervis offenbart, kommt in der umfassenden Ausstellung besonders gut zur Geltung. Und ein wahres Anschauungsobjekt dafür gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft noch dazu.
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