Alexander Pier – pier 7 architekten
Der Tellerrand ist nicht weit genug
„Nicht alles, was gebaut wird, ist Architektur. Für mich sind das nur etwa fünf Prozent", eine provokante Aussage von Alexander Pier, die aber so gemeint ist. Sein Anspruch ist hoch, sein Engagement ebenfalls. Architektur muss für ihn über die reine Funktionserfüllung hinausgehen, sie muss neue Möglichkeiten eröffnen, ob nun außenräumlich oder im Inneren, gestalterisch oder gesellschaftspolitisch zukunftsweisend. „Weiter denken, über das bereits Existierende hinaus", ist seine Maxime.Alexander Pier ist weder ein Absolvent, dessen Illusionen noch nicht mit der Realität in Berührung gekommen sind, noch einer der so genannten Stararchitekten, denen die Aufträge nur so zufliegen und dessen Idealvorstellungen ohne große Diskussionen eins zu eins umgesetzt werden. Pier führt seit elf Jahren das Architekturbüro „pier 7" in Düsseldorf, mit inzwischen elf Angestellten. Angefangen hat er alleine. Zunächst baute er Wohnhäuser in der Umgebung, ein wichtiger Teil seiner Arbeit war aber seit Beginn an die Teilnahme an Wettbewerben. Erfolgreich. Inzwischen akquiriert das Büro rund 80 Prozent seiner Aufträge auf diese Weise.
Architektur bedeutet für Alexander Pier „Ideen zu entwickeln und diese umsetzen, Ausgedachtes zu realisieren und die Welt zu verändern", dies macht für ihn die Faszination seines Berufes aus. Nicht stehen bleiben, sondern immer wieder Neues entdecken und entwickeln. Drei Schulen nacheinander zu bauen sei nicht sein Ziel, da sei die Gefahr groß zu systematisieren. Vielmehr reizt es ihn, sich stets in neue Aufgaben hineinzudenken, Neue Einblicke zu bekommen, Neues zu lernen oder wie er es ausdrückt „in neue Welten einzutauchen", wie beim gerade realisierten Instituts- und Forschungsgebäude für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. „Schließlich muss die Arbeit Spaß machen." Dies ist auch der Grund für seine kontinuierliche Teilnahme an Wettbewerben. Immer wieder mit neuen Bauaufgaben beauftragt zu werden, ist wahrscheinlich nur auf diesem Weg möglich. Zudem schätzt Pier an der Beauftragung über Wettbewerbsgewinne, den „souveräneren Start in das Projekt". Der erste Preis sei die Legitimation für die Qualität des Entwurfs und der Architekten, grundlegende Gestaltungsfragen stellen sich daher anschließend nicht mehr.
Lernen um lehren
Der Werdegang von Alexander Pier war zielstrebig. Aufgewachsen als Sohn eines Architekten studierte er zunächst an der TU Braunschweig, anschließend an der TH Darmstadt, arbeitete während des Studiums bei Max und Karl Dudler im Büro und nach dem Diplom bei Prof. Joachim Schürmann, Prof. Andreas Scheuring, Prof. Rolf Schuster und In genhoven Overdiek. Mit 36 Jahren machte er sich selbstständig und hatte im folgenden Jahr bereits zwei Lehraufträge, an der BU Wuppertal und der RWTH Aachen für Entwerfen und Gebäudekonstruktion. Inzwischen ist die Qualität seiner Arbeiten in seinem Umfeld und Fachkreisen anerkannt. Er ist Mitglied im BDA sowie im Vorstand des BDA Düsseldorf und Mitglied bei BWD (Bauen mit Werten Deutschland AG), einem bundesweiten Zusammenschluss ausgewählter Architekten, Ingenieure, Handwerker und Baufirmen, die sich auf die Realisierung anspruchsvoller Bauleistungen mit einer hohen Qualität spezialisiert haben. Ein Netzwerk, das auch als Gütesiegel fungiert. Für Pier zudem eine Kontaktbörse zu führenden Produkthersteller der Baubranche. „Da ist so viel technisches Know-how vereint", schwärmt er und nutzt es auf seine Art. Zurzeit entwickelt er zusammen mit einem Unternehmen Putzfassaden mit neuen Oberflächenstrukturen.
Sieben auf einen Streich
Das bislang bekannteste Gebäude von Alexander Pier ist das Stadtteilzentrum im Hochschulstadtteil in Lübeck, auch ein Wettbewerbsgewinn und zudem eine komplexe Aufgabe. Für den neuen Stadtteil, der auf der grünen Wiese vor den Toren der Stadt neu entstanden ist und immer noch entsteht, sollte ein Gebäude entwickelt werden, das gleich sieben zentralen Funktionen Raum bietet: einer dreizügigen Grundschule, einer Sporthalle, einer Kindertagesstätte, einer Kirche, der Polizeidienststelle, einem Veranstaltungsforum sowie Wohnungen. All dies ordnete Pier in einer stringenten dreiflügligen Kammstruktur an, mit dem Foyer und der Sporthalle im Querriegel, die als Zusatzangebot bei großen Veranstaltungen auch zusammengeschlossen werden können. Alle Nutzungen werden vom zentralen, lang gestreckten Innenhof erschlossen, der so zur vielfältigen Begegnungsstätte wird.
Trotz seiner strengen, klaren Form wirkt das Gebäude nicht starr: Differenzierte Fassadenausführungen, basierend auf einheitlichen Formaten und Materialien, schaffen Varianz. Eternitplatten, Industrieglas und geschosshohe Fenster bilden die Fassadenoberflächen. Im Inneren sind die Wände und Decken aus Sichtbeton das verbindende Element. Den Konterpart dazu bilden die Holzoberflächen der Flurwände. Von den Sichtbetondecken sind Paneele (Baffels) für die Raumakustik abgehängt. Unterschiedliche Fußbodenbeläge bringen zudem Farbigkeit ins Gebäude. In der Rohbauphase waren die Sichtbetonwände bei einigen Stadtteilbewohnern noch umstritten, erzählt Pier, seit der Fertigstellung seien aber alle begeistert. Der Materialmix mache es und zudem alterten die Betonwände extrem gut. Kratzer, Macken, besonders in der Schule und der Kindertagesstätte könnten ihnen nichts anhaben, im Gegensatz zu verputzten und gestrichenen Wänden. Was er nicht so offen sagt, aber ebenfalls entscheidend zur Akzeptanz beiträgt, ist die gute Planung und Ausführung der Sichtbetonflächen. Die Betonelemente mit ihrer Masse sind auch ins Klimakonzept integriert. Sie fungieren als Wärmepuffer, die tagsüber die Wärme speichern und in der Nacht durch Lüftung entweder auskühlen oder die Wärme bis zum nächsten Tag puffern. Auch seine Nachhaltigkeit hat das Gebäude inzwischen schon unter Beweis gestellt. Anstatt nur, wie ursprünglich geplant, die Kita-Kinder, essen mittlerweile alle Gebäudenutzer mittags im Foyer. Zudem zieht die Kindertagesstätte in diesem Sommer aus, da die Schule einen erhöhten Platzbedarf hat, zumindest für die nächsten vier bis sechs Jahre. Die Änderungen macht das Gebäude ohne bauliche Eingriffe mit.
Pier7 Architekten
Faunastr. 41, D-40239 Düsseldorf
T +49 211 6218 108, F +49 211 6218 109
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Zurück