Die Beherrschung der Grenzen

Zum 100. Geburtstag von Félix Candela

fo_1003_die_beherrschung_der_grenzen100 Jahre alt wäre er 2010 geworden: der in Madrid geborene Félix Candela gilt als Meister des Betonschalenbaus für elegante, formal anspruchsvolle, leicht und kostengünstig zu konstruierende Einwölbungen. Im Jubiläumsjahr zeigt eine Ausstellung in seiner Heimatstadt die genialen Ideen und Konstruktionen des Ausnahmebaumeisters.

Stets für alle Ideen aufgeschlossen, aber auch kritischen Geistes, richtete er seine Arbeit nach zwei Gesichtspunkten aus: einerseits schuf er in Form und Dimensionen spektakuläre architektonische Entwürfe, anderseits ging er mit einer mathematischen Methode an seine Arbeit heran, die es ihm erlaubte, bestimmte, durch Schnitte geometrischer Figuren erzielte Formen zu konstruieren, die sich im Raum sehr komplex entfalten. Anfang des 20. Jahrhunderts geboren, wählte sich Félix Candela zwischen 1940 und 1997 die Architektur zum Beruf. Candela wird als Schöpfer eines Konstruktionssystems gesehen, das von zwei für die Welt des 20. Jahrhunderts typischen Merkmalen geprägt ist: dem Einsatz von Stahlbeton und der Definition des architektonischen Raums unter Einbeziehung der vierten Dimension: der Zeit. Ein spanische „Hidalgo", der, obwohl er 30 Jahre lang in Mexiko gelebt hatte, niemals seinen Madrider Akzent verlor und er persönlich und unmittelbar verantwortlich für die Projektierung und die Konstruktion von etwa einer Million Quadratmeter umbauten Raums zeichnete. Candela gilt als Meister des Betonschalenbaus für elegante, formal anspruchsvolle, leicht und kostengünstig zu konstruierende Einwölbungen. Sein 1950/1951 fertiggestellter „Pabellón de los Rayos Cósmicos" (Pavillon der kosmischen Strahlen) in Mexiko-Stadt war richtungsweisend für vielzählige seiner weiteren Bauten. Für die 1950 gegründete „Cubiertas Ala", die auf die Herstellung dünner Betonbauschalen spezialisiert war, führte er mehr als 300 Projekte aus, unter anderem auch zusammen mit Enrique de la Mora und Fernando López Carmona. Zu seinen Werken zählen auch religiöse und kommerzielle Bauten. Von seinen Entwürfen für verschiedene Anlagen im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 1968 wurde lediglich der „Palacio de Deportes" (Sportpalast) realisiert. Das von ihm entworfene Großaquarium „L'Oceanogràfic" in der spanischen Stadt Ciudad de las Artes y de las Ciencias wurde erst nach seinem Tode 1997 fertiggestellt.
Ein umfangreiches Buch zur Ausstellung im Conde Duque in Madrid unter anderem mit Beiträgen von Pepa Cassinello und Mike Schlaich lädt ein, die Welt und Person Félix Candela zu entdecken, wie sich bauliche Herausforderungen in poetische und bizarre Formen auflösen und wie technischer Fortschritt in expressionistischen Architektur ungesetzt werden konnte.


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