In memoriam Raimund Abraham
Am 4. März 2010 ist der österreichisch-amerikanische Architekt Raimund Abraham tödlich in Los Angeles verunglückt. Nach einem Vortrag am Southern California Institut of Architecture kollidierte er mit einem Bus.Abrahams wurde 1933 in Lienz, Öster- reich, geboren, nach seinem Studium an der Technischen Universität in Graz zählte er zu den Exponenten der neuen Wiener Architektur-Avantgarde. Seine Arbeiten wurden unter anderem in einer gemeinsamen Ausstellung mit Hans Hollein und Walter Pichler 1967 im Museum of Modern Art in New York ge- würdigt. 1964 wanderte Abraham in die USA aus, wo er sich weiterhin vor allem theoretisch, zeichnerisch mit Architektur auseinander setzte und unter anderem an der Cooper Union Architekturhochschule und am Pratt Institut lehrte.
Die Zahl seiner realisierten Bauten ist gering, teilweise fehlte das letzte bisschen Glück: Bei den Wettbewerben für das Centre Pompidou und für die Opera de la Bastille in Paris belegte er jeweils den zweiten Platz. Umsetzen konnte er einige Wohn- und Geschäftshäuser in den USA und in Österreich, sowie eines im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 in Berlin. International bekannt wurde Abraham mit dem österreichischen Kulturforum in New York. Das nur 7,6 Meter breite und knapp 90 Meter hohe Gebäude wurde von Kritikern als eines der besten in Manhattan gelobt, sorgte aber auch für hitzige Diskussionen, da sich die Baukosten aufgrund des gestiegenen US-Dollars, Bauverzögerungen und hohen Bauanforderungen verdreifachten. Auf der minimalen Grundfläche organisierte Abraham die öffentlichen Bereiche über mehrere Etagen als einen einzigen fließenden Raum. Ein zweites Gebäude in Deutschland plante Abraham als Teil der Museumsin- sel Hombroich, auf dem ehemaligen Militärgelände bei Neuss. Die Realisierung dieses Hauses für Musiker zieht sich wie beim Kulturforum über Jahrzehnte, ist gekennzeichnet von Finanzierungsproblemen und baulichen Herausforderungen. Der Entwurf des kegelförmigen Betongebäudes mit seiner scheinbar schwebenden Dachscheibe wurde bereits 1996 auf der Biennale in Venedig vorgestellt. Baubeginn war zehn Jahre später. Seit Oktober 2008 steht der Rohbau, der aber noch auf seinen Ausbau wartet. Besonders das Betonieren des rund 125 Tonnen schweren, um 15 Grad geneigten Betondachs, mit seinem Durchmesser von 33 Meter, einer Dicke von 50 Zentimetern und einer dreieckigen Aussparung in der Mitte, stellte die ausführenden Firmen vor Probleme. Es musste sichergestellt werden, dass der Beton durch die Schwerkraft nicht ins Rutschen geriet (siehe Beitrag in opus C, Ausgabe 2/2009).
Ein Mann der Kompromisse war Abraham nicht, bedingungslos hielt er an seinen Prinzipien fest – in der Architektur wie im Leben. 2000 sorgte er in Österreich für Aufregung, als er aus Protest gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ seinen österreichischen Pass zurück gab und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft beantragte. Mit seinem Eigensinn und seiner Nonkonformität bereicherte er ebenso immer wieder die Architekturdiskussion.
Am 11. Juni fand in Wien ein Gedenk-Symposium unter dem Titel "In Absence of Raimund Abraham" statt. Veranstaltet wurde es gemeinsam vom Österreichische Museum für angewandte Kunst (MAK) und dem Studio Prix, Institut für Architektur, an der Universität für angewandte Kunst Wien. Teilnehmer waren unter anderem Peter Eisenman, Eric Owen Moss, Wolf D. Prix und Lebbeus Woods.
km
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