Beton zum Träumen
Kläranlage wird zum originellen Parkhotel
Seit einiger Zeit kann man bereits im oberösterreichischen Ottensheim direkt an der Donau und kurz vor Linz nicht nur in die Röhre schauen, sondern auch darin nächtigen. Im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 sollen jetzt auch in Bottrop-Ebel fünf Hotel-„Zimmer" des Künstlers Andreas Strauss entstehen. Ein Zimmer im neuen „Parkhotel" an der ehemaligen Kläranlage Bernemündung hat einen Durchmesser von zwei Meter vierzig und wiegt etwa elf Tonnen.Zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 sollen die Besucher in gigantischen Kanalrohren übernachten. Für den Künstler fügen sich die drei Meter langen Betonröhren hervorragend in die Industriekultur des Ruhrgebiets ein. Mitinitiator des Parkhotels ist die Emschergenossenschaft. Für insgesamt fünf Millionen Euro soll das Gelände der 1997 still gelegten Kläranlage in einen Park umgewandelt werden. Die beiden Klärbecken werden von Landschaftskünstlern gestaltet und eine Lichtinstallation setzt die Anlage in Szene. Mit großem Aufwand laufen seit einigen Jahren die Renaturierungsarbeiten des ehemaligen Abwasserflusses. Dabei werden die gleichen Betonröhren, die nun als Schlafstätte für Durchreisende dienen, zu tausenden verarbeitet.
Für das „Hotel" wird die Rückwand der Betonröhren geschlossen, in die vordere Wand wird eine Tür eingebaut. In die Decke kommt ein Oberlicht. So wird der Mond von Wanne-Eickel, der auch in Bottrop scheint, in die Röhre strahlen. Dort wartet dann ein Doppelbett und ein Nachtlicht auf die Hotelgäste. Strom und ein Internetanschluss sind ebenfalls vorhanden. Buchen kann man die Zimmer über das Internet. Per Email wird ein Zugangscode verschickt, der dann in die Tastatur an der Zimmertür eingegeben wird. Eine Rezeption und Hotelpersonal gibt es nicht. Den Preis für die Übernachtung bestimmen die Gäste selbst und lassen das Geld im Zimmer zurück. Dusche und Bad sucht man in der Betonröhre vergebens. Die Sanitäranlagen werden in dem Haupthaus der alten Kläranlage untergebracht. Bei der Suche nach geeigneten Betonröhren wurde der Künstler in Datteln fündig. Er habe sich für den etwas raueren Beton entschieden, die Oberfläche der glatteren Röhren war ihm zu leblos. Auch bleibt der im Radius gebogene Fußboden bestehen. Er wird nicht begradigt, so dass die Besucher das Gefühl haben, durch einfache Gewichtsverlagerung die Röhre in eine Schaukelbewegung versetzen zu können. Angesichts des Gewichts ist dies aber aussichtslos.
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